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Für meine (wenigen) fleißigen LeserInnen: "Es gibt immer einen Ausweg"

Es gibt immer einen Ausweg …

Der Sonntag war gähnend langweilig. Mama hatte mir gesagt, ich solle zuerst „eine Runde“ (was einer Stunde entspricht) bügeln, und dann die Socken ordnen. Hab ja nichts Besseres zu tun. Dann machte ich meine Hausaufgaben, wir aßen Mittag, Mama und Papa machten ihren Mittagsschlaf, ich wartete (vergeblich) auf eine SMS von Janick, stritt mich wieder mit Will, aß Abendbrot, ging zu Bett.
Das war mein Sonntag. Ich habe Janick heute in der Schule gesehen, es hat geregnet, also haben wir uns alle mehrere Schirme geteilt, wir aus unserer Klasse. Dann kam er, hat sich unter Angelinas Schirm gestellt und mit ihr rumgekaspert. Und mich hat er gewissenpflichtig ignoriert. Dummerweise war ich zu feige, ihm wenigstens „Hallo“ oder sowas zu sagen.
Wegen dem Hausarrest kann ich mich nicht mehr mit meinen Mädels treffen und fühle mich total ausgeschlossen, wenn sie erzählen, was sie am Nachmittag alles so zusammen machen. Selbst Mama hat meine deprimierte Laune bemerkt und mich drauf angesprochen. Ich habe ihr erzählt, dass es gerade mit der Schule alles voll stressig ist, und so weiter. Sie hat ziemlich mitleidig geguckt, aber den Arrest immernoch nicht aufgehoben.
Tja, und jetzt liege ich auf meinem Bett, was ich in letzter Zeit immer öfter mache, und kuschle mit Campari. Ich bin echt sehr froh, dass ich ihn habe, sonst würde ich wahrscheinlich die ganze Zeit nur weinen. Ich musste mein Training mit Janick absagen, und habe Angst, dass er denkt, ich halte nicht durch. Obwohl… ich springe so ruckartig auf, dass Campari hochspringt und faucht, aber ich ignoriere ihn. Der typische Trick: Abhauen. Mein Zimmer ist im zwar im 4. Stock, aber gleich gegenüber von meinem Fenster ist ein Flachdach, 3 Stockwerke. Ich müsste dann quasi zwar ein Stockwerk runterspringen, aber besser, als im Zimmer zu hocken und rumzumaulen. Ich mache mein Fenster ganz auf und setze mich in die Hocke auf das Fensterbrett. Nach unten sind es ungefähr 5 Meter. Ich schaudere und zwinge mich, nach vorne zu gucken. Bis auf das Flachdach sind es nicht mehr als zwei Meter. Es ist also ganz nah dran. Vorsichtshalber stelle ich mich dann doch auf das Fensterbrett, lehne mich nach außen und halte mich am Rahmen fest. Hinter mir miaut Campari.
„Ist schon gut, ich komme ja wieder…“, sage ich. Es soll beruhigend klingen, tut es aber irgendwie nicht. Ich atme noch einmal tief durch, dann stoße ich mich ab und lasse den Rahmen los.






Ich merke, wie ich kurz in der Luft fliege, es ist ein tolles Gefühl. Automatisch ziehe ich die Beine nach vorne, wie beim Weitspringen in der Schule.
Ich wollte eigentlich in der Hocke landen, aber es klappt nicht so ganz. Meine Füße kommen sich und einen halben Meter vom Rand entfernt auf und ich bremse mich ein bisschen mit den Händen. natürlich habe ich sofort ein paar Schrammen an den Händen, weil auf dem Dach ganz viele kleine Steinchen liegen. Aber ich wische mir das wenige Blut an der Hose ab und stehe glücklich auf. Ich habe es geschafft…!
Als ich zu meinem Fenster gucke, sitzt Campari auf dem Fensterbrett und mauzt. Ich lächle ihn an und rufe: „Warte, gleich bin ich wieder da!“
Dann laufe ich über das Dach, bis zur anderen Seite, da wo ich die Feuerleiter vermute. Umso er-schreckter bin ich, dass da keine mehr ist. Ich bekomme Panik. Wo ist das Ding denn hin? Weg. Ich schaue wieder zu meinem Fenster. Zurückspringen? Auf keinen Fall. Entweder würde ich durch das Fenster auf den Boden, im besten Fall noch auf den Schreibtisch, der vor dem Fenster steht, krachen.
Oder ich komme gar nicht erst ans Fensterbrett, sondern rutsche mit meinen Händen daran ab. Und falle 4 Stockwerke runter. Ein gebrochener Arm ist da hundertprozentig drin.
Keine Panik schieben, denke ich, keine Panik. Ich wandere auf die andere Seit vom Dach, vielleicht habe ich mich ja bei den Seiten geirrt. Habe ich nicht. Nirgendswo eine Feuerleiter. Ich sinke er-schöpft zusammen.
Na toll.
Jetzt sitze ich auch noch auf irgendeinem splittrigen Holz.
Moment mal…! Holz?!
Ich springe auf und gucke auf die kleine Holztür, auf der ich bis eben gesessen habe. Eine typische Luke. Den Griff habe ich nicht gesehen, aber jetzt ruckle und reiße ich an ihm, bis sich die Klappe endlich hochziehen lässt.
Erleichtert sehe ich eine Treppe und zögere nicht lange. Ich stolpere sie mehr runter, als dass ich gehe. Ziehe die Luke hinter mir wieder nach unten. Stehe wieder vor einer Holztür. Sie ist nicht abgeschlossen, geht ganz leicht auf. Dann finde ich mich in einem, nicht ganz so hübschen, Treppenhaus wieder und laufe die Treppen hinunter. Ich habe ja Kondition, denke ich lachend. Im ganzen Haus begegne ich niemandem. Ist vielleicht auch ganz gut so.
Ich schaue auf meine Armbanduhr. Es ist kurz nach um vier, das heißt, dass Mama und Papa höchs-tens in einer Stunde nach Hause kommen. Will ist zur Abwechslung mal in der Uni und Freddy hockt am Laptop und schreibt ihre Facharbeit. Es sollte also keiner mein Verschwinden gemerkt haben.
Als ich vor unserer Wohnungstür stehe, fällt mir ein, dass ich ja klingeln muss, damit ich reinkomme. Nächstes Mal muss ich unbedingt einen Schlüssel mitnehmen. Und Janick eine SMS schreiben, dass wir morgen trainieren können:

Hast du morgen Zeit? Training nachholen ;-)

Gerne doch. Wann?


„Hm.“
„Na was, hm?“, frage ich.
„Es klingt nicht so begeistert…“, meint Liv zögernd.
„Aber er hat „Gerne doch“ geschrieben!“, versuche ich sie zu überzeugen. Stille.
“ Bist du wütend, weil ich mit ihm trainiere?“ ich schaue sie an. „Sag schon.“
Wir stehen in einer ruhigen Ecke auf dem Schulhof. Ich habe Liv und Tami eben Janicks SMS gezeigt.
„Indirekt.“
„Boah Liv! Komm auf den Punkt!“ Langsam werde ich wütend. Auch Tami sieht sie gespannt an.
„Ich bin nicht wütend auf dich, sondern auf ihn. Weil er mich anscheinend einfach so vergessen hat und ich hoffe, dass du ihm mehr wert bist, Am.“
„Du musst lernen, ihn zu vergessen.“, meint Tami.
„Du wiederholst dich.“ Liv faucht sie fast an. Wir haben das Thema in den letzten Tagen noch nicht ganz ausdiskutiert.
„Du kannst doch nicht immer wütend, traurig und deprimiert sein, Liv. Wo bleibt deine Lebensfreu-de?“ Tami ignoriert Livs Ton gewissenpflichtig, „Du bist andauernd nur traurig und meckerst uns voll. Hast du schon mal mit ihm geredet?“
„Nein…“, sagt Liv bedrückt, „Tut mir Leid, dass ich an euch meinen Frust auslasse.“
Ich umarme sie. „Das wird schon wieder. Und wenn nicht, dann geige ich ihm mal ordentlich die Meinung!“
Meine Worte bleiben sind nicht ohne; Liv muss kichern.
„Ich hab mich heute wieder mit Janick am Hafen verabredet. Soll ich ihm irgendwas ausrichten?“
„Nein, meine Meinung soll er sich selbst holen.“, brummt Liv.
Tami sagt: „Du kannst ihm ja mal sagen, was los ist. Er wird Liv ja wohl kaum übersehen haben.“ Ich nicke.

Nach der Schule sehe ich Janick, wie er in die S-Bahn einsteigt. Ich will ihm schon zuwinken, verkneife es mir aber dann lieber. Du kannst jedem zuwinken, aber nicht dem, sage ich zu mir selbst, wenn er dich und die anderen ignorieren kann, kannst du das auch.

„Und, wie geht’s?“
Er versucht, fröhlich und nett zu klingen. Ich falle da nicht drauf rein.
„Gut und dir.“
„Hör auf zu lügen.“
„Was?“
„Dir geht es nicht gut, weil…“
Ich unterbreche Janick. „Mir geht es ja gut, aber dir anscheinend nicht! Erst machst du ihr Hoffnun-gen und dann ignorierst du sie einfach! Und das findest du anscheinend in Ordnung. Du denkst wohl, du kannst jede haben, nur weil, weil…“ Ich hole Luft. Und überlege. Weil…? Weil, was?
„Nur weil du denkst, dass du gut aussiehst!“ Jetzt ist es raus.
Er starrt mich verwundert an.
„Wen meinst du? Wem habe ich Hoffnungen gemacht?“
Bist du echt so blöd, wie du aussiehst?, denke ich. „Liv!“
„Liv?“
Ich zwinge mich, ruhig zu bleiben.
„Sie war in dich verliebt, und du hast ihr Hoffnungen gemacht, indem du gesagt hast, du liebst sie auch!“, sage ich. In mir kocht es. „Und jetzt ignorierst du sie, sie ist nicht mehr gut genug für dich, und du suchst dir eine andere! Das ist einfach … dumm!“ Das letzte kommt ziemlich laut aus mir raus. Ein alter Opa, der an uns vorbeigeht, murmelt: „Nana, junges Fräulein.“
Ich drehe mich auf dem Hacken um und renne weg, weg von dem Opa, weg von Janick, raus aus dem Park. Ich weiß, dass er mir nicht folgen wird. Dass ich ab jetzt alleine trainieren kann. Und wenn schon. Da packt mich eine Hand am Arm und zieht mich ruckartig nach hinten. Ich keuche vor Schreck auf und gucke direkt in seine Augen.
„Ja, es stimmt, was du gesagt hast. Und ich bin froh, dass ich sie los bin. Sie hat echt genervt.“
Ich reiße mich los und schreie: „Du Blödmann!“
Dann laufe ich wieder los, und er ruft mir hinterher: „Warte, o Mann, Amberly!“
Ich laufe weiter, schüttle immer den Kopf, wen ich ihn rufen höre, laufe aus lauter Verwirrung an der S-Bahn-Haltestelle vorbei.
Ich bleibe nicht stehen, auch an den anderen Haltestellen nicht, aus Angst, er könnte mich einholen. Aber er kommt nicht mehr hinter mir her.
Schwer atmend stehe ich vor unserem Wohnungsblock. Schaue an der verzierten Fassade hoch. Und drücke erschöpft auf die Klingel mit unserem Namen.
Dieses Mal wundert Freddy sich doch, wo ich herkomme.
„Aus der Schule. Hatte was vergessen.“, murmle ich und verschwinde, bevor sie noch etwas anderes sagen kann.
Als ich meinen Laptop hochfahre, sehe ich aus den Augenwinkeln, wie mein Handy aufblinkt. Ich stehe auf und gucke, wer mir geschrieben hat. Und muss einen Impuls unterdrücken, das Ding nicht an die Wand zu werfen. Janick. Ich schmeiße es zumindest auf mein Bett und mache zur Demonstration 50 Sit-ups, als könnte er sehen, dass ich auch alleine zurechtkomme. Erst dann wage ich es, seine SMS zu lesen.

Ich muss mit dir reden. Morgen im Park? J.

Du spinnst wohl.

Aber ich kann es mir nicht verkneifen:

Na gut, wann?

Keine 10 Sekunden später kommt die Antwort:

Wenn’s geht, so zu halb vier. An unserer Parkbank ;-)

Mein Gott, der Junge klebt ja regelrecht an seinem Handy, denke ich und muss schmunzeln. Es geht nicht anders. Mir sind eben seine grün-braunen Augen eingefallen, und die langen, dunklen Wimpern…
Jetzt hör auf, ermahne ich mich, da kann man ja denken, du bist verliebt!
„Miau.“, tönt es von meinem faulen Kater, der auf seiner Schmusedecke liegt.
„Kannst du etwa meine Gedanken lesen?“, frage ich ihn lächelnd. Er geht zu mir, streicht einmal um meine Beine und verschwindet maunzend in Richtung Küche. Ich kann Freddy schon stöhnen sehen, wenn er mit seinem süßen Katerblick um ein bisschen Trockenfutter zwischendurch bettelt. Verfressen und faul, denke ich, mein Kater.

8.11.13 17:15

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