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nächstes Kapitel: INDIEN

Indien Es sind inzwischen ganze 4 Tage vergangen. Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht: Janick hat zurückgeschrieben, das er tanzen würde, aber keine Partnerin hat. Ich glaube, ich brauche euch keine Details erzählen, ich habe Liv in Gedanken gesagt, dass es mir Leid tut, und ihn gefragt, ob er mit mir tanzt. Er wollte. Das war die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass das letzte Training mit ihm ausgefallen ist. Er war krank. Ich bin trotzdem in den Park gegangen und habe den Handstand geübt und auch das an den Ast springen und über die Bank schwingen. Ich habe beides ohne Hilfe hinbekommen! Allerdings musste ich erst warten, denn auf „unserer“ Bank saß eine alte Omi. Ich hätte auch woanders hingehen können, aber es gibt nur diese eine, für meine wecke ideale, Bank im Park. Also bin ich nochmal zum Hafen gejoggt und als ich wiederkam, war die Omi weg. Das wichtige eigentlich ist, dass heute Mama und Papa wiederkommen. Will ist eben zum Flughafen gefahren und holt sie ab. Ich hab mit Freddy für kurze Zeit sturmfreie Bude, aber wir müssen das Apartment aufräumen. Es ist nämlich nicht gerade sauber, nach einer Woche ohne Mamas Aufräumwahnsinn. Am längsten brauchen wir im Bad. Das ganze Staubsaugen und Klamotten wegräumen dauert eben… Als Freddy mit Kochen anfangen will, klingelt es an der Tür. Das müssen Mama und Papa sein! Und Will. Ich laufe zur Tür und mache auf. Ich starre einem riesigen Pizza-Karton-Stapel entgegen. Ich drehe mich um und rufe zu Freddy: „Vergiss dein Mittagessenkoche. Wir haben Pizza!“ Ich höre, wie sie stöhnt und ihre Töpfe wieder scheppernd in den Schrank räumt. „Mama! Papa!“, rufe ich. Will, der die Pizzen in die Küche trägt, geht an mir vorbei. Jetzt habe ich freie Sicht auf die beiden. Ich will sie stürmisch umarmen, schrecke aber mitten in meiner Bewegung zurück. „Was ist denn mit euch passiert?!“ Sie grinsen mich an. Mama hat einen typischen roten Punkt auf der Stirn, der, wie ich aus der Farbe schließe, heißen soll, dass sie verheiratet ist. Sie hat sich in eine Art riesen Tuch-Gewand gehüllt. Ich glaube, Papa musste sie überzeugen, sich nicht auch noch ein Kopftuch umzumachen. Allerdings sieht Papa auch nicht mehr aus, wie vor sieben Tagen noch. Er hat ein viel zu großes Leinenshirt an, aber seine Hose geht nur bis zu den Knöcheln. Dafür ist sie anscheinend genauso lang wie breit. Und auf seinem Kopf – das ist doch nicht etwa … „Ein Turban?! Papa!“ Sie gucken mich unschuldig an. „Hallo erstmal, mein Schatz. Oder wie man in Indien sagen würde; Namaste!“ Mama nimmt mich in den Arm. Ich versteife mich automatisch, wie immer, in peinlichen Situationen. Und es ist ja wohl peinlich genug, wenn die eigenen Eltern aus ihrem Indienurlaub gedanklich noch nicht ganz zurück-gekommen sind, oder?! „Ähm, ich sehe, ihr habt noch Pizza mitgebracht!“, versuche ich vom Thema abzulenken. „Ja.“, sagt Papa, „Der Inder hatte leider zu.“ Ich stöhne und gehe in die Küche. Beim Essen erzählen Mama und Papa von ihrem Urlaub. In kleinsten Details. Wie sie abends noch stundenlang am Strand gelegen haben, wie das Essen geschmeckt hat und was es überhaupt war, die Menschen auf Mamas schulterfreies Top reagiert haben, und, und, und. Als sie von den Toiletten erzählt haben, ist mir die Salami fast wieder hochgekommen. Abends, als wir uns mehr oder weniger in dem Apartment verstreut haben, sitze ich auf dem Bett und skype mit Liv und Tami. Campari ist ausnahmsweise mal nicht da, er hat die Reste unserer Pizza-Mahlzeit entdeckt. Liv: Und, Am, wie geht’s deinen Eltern? Wie ist Indien so? Tami: Genau, wir wollen an deinem Wissen teilhaben! Du: Mama und Papa wollen nochmal dahin. Mit uns. Ich will aber nicht! Tami: Warum? Du: Sie sind heute in traditioneller indischer Kleidung aufgetaucht. Mit allem Drum und Dran. Papa hatte einen Turban und Mama einen Punkt auf der Stirn. Liv: Ups. Ich kann mir vorstellen, wie sie lachen. Du: Jaa, „ups.“! Peinlich!!! Tami: Ach komm schon, Am…! Meine Eltern wollen unbedingt nach Afrika. *stöhn* Ich glaube, ich habe nicht das Glück allein mit meiner Schwester zuhause zu bleiben, auch wenn sie schon 19 ist. Ich mag ja Giraffen, eigentlich… Liv: Wenn wir schon beim Thema Reisen sind: Wir fahren (endlich) wieder nach Schweden!!! Tami: Zu den Elchen? Du: Na klar! Nach Skandinavien. Liv: Ja, an einen See, wie letztes Mal. Es ist total schön da!!! Tami: Nimm uns mit! Du: Ja, los! Liv: Ich würde, wenn ich dürfte…  Tami: Soll meiner Mama in der Küche helfen. Machen wir morgen was zusammen? Du: Können wir gerne! Wir können ja mal wieder mit Paula spazieren gehen, oder shoppen ;D Ich brauch dringend neue Tops! Liv: Au ja, shoppen! Ich komm mit! Du: Bis bald, Mädels! Morgen, halb zwei? Wir kommen zu dir, ja Liv? Liv: ok, i.O.! Wird cool! „Und wir haben jeden Abend unter Palmen gelegen und Kokosmilch geschlürft…“, schwärmt Mama. „Und der Inder, dem ich meinen Turban abgekauft hat, hat mir einen Spott-Preis für das Ding gebo-ten, da musste ich einfach zuschlagen!“, erzählt Papa stolz. „Ah.“, sage ich. „Alles schon mal da gewesen…“, murmelt Freddy gelangweilt. Es ist ja schön, seinen Eltern zuzuhö-ren, aber auf die Dauer wird das nichts. Wir sitzen auf der Couch im Wohnzimmer. „Heute Abend kommt ein total cooler Film im Fernsehen!“, sage ich. „Ach und wenn schon.“, meint Mama und wedelt abschätzend mit der Hand. „Was habt ihr denn so gemacht, eigentlich?“ „Ich habe mich weitergebildet.“, prahlt Will stolz. Natürlich erntet er dafür ordentlich Lob bei meinen Eltern. „Ich bin … zur Schule gegangen…“, meint Freddy gleichgültig. „Ah.“, sagt Papa, nicht ganz so freudig, wie bei Will. „Und mein kleiner Amelie-Schatz?“, fragt Mama mich. Ich räuspere mich. „Ehm, ich war mit meinen Mädels im Kino…“ „Und“, unterbricht Will mich, „Sie war bis halb elf weg!“ „Pscht!“, zische ich, dann lächle ich Mama und Papa unschuldig an. Sie fallen nicht auf meine Engels-Miene herein. Schade … „Wie bitte?!“ Mama wird rot. „Ich, ehm, geh dann mal Klavier spielen!“, rufe ich, stehe schnell auf und flüchte in mein Zimmer. Dort setzte ich mich auf den Klavierhocker und fange an zu spielen… kurz darauf steht Mama rau-chend in der Tür. Natürlich nicht mit Zigarette, sondern sehr, sehr wütend. Ich unterbreche mein Stück und sage: „Es war nicht halb elf…“Doch wie gewohnt, werde ich mal wieder unterbrochen. „Amberly!“, schnauft sie, „Sowas hätte ich nicht von dir gedacht! Wir sind eine Woche weg, EINE Woche!!! Können wir euch etwa nicht alleine lassen? Müssen wir immer erst Oma herholen?!“ Still und mit hochgezogenen Schultern lasse ich die Standpauke über mich ergehen. Hoffentlich kriege ich nicht wieder Hausarrest… „Du kriegst Hausarrest! EINE Woche! Dann hast du Zeit, zu zeigen, dass du kein kleines Kind mehr bist und dich schon gut an vereinbarte Zeiten halten kannst!“, schimpft sie. Hätte ich es bloß nicht gedacht… „Aber Will und ich hatten gar keine vereinbarte Zeit!“, rufe ich zu meiner Verteidigung aus. „DAS ist mir von EGAL!“, faucht Mama mich an. Dann knallt sie die Tür zu und ist weg. Ich atme tief durch, dreimal hintereinander. Ich schaffe das, denke ich mir. Dann lege ich mich auf mein Bett und schließe die Augen. Campari springt mir auf den Bauch, und ich döse wütend auf meine Mutter und auf Will, weg. Als ich wieder aufwache, habe ich einen kalten Bauch, denn mein Kater hat sich ver-drückt. So wie ich ihn kenne, sitzt er jetzt in der Küche. Ich setzte mich auf und gucke auf die leuchtende Anzeige meines Weckers. Halb drei in der Nacht. Die anderen schlafen bestimmt noch, oder schon, wie man’s nimmt. Auf der Suche nach Campari gehe ich in die Küche, und wie vermutet sitzt er vor dem Schrank. Ich lächle, gehe zu ihm und nehme ihn in den Arm. Mit der freien Hand mache ich die Schranktür auf, hole das Katzenfutter raus und schütte ihm ein bisschen davon in seinen Napf. Sofort fängt er an, sich aus meinem Arm zu winden, und springt runter. Hungrig stürzt sich Campari auf den Napf. Ich gehe zum Fenster und gucke raus. Und überlege, ob ich jetzt rausgehen soll, in den Park. Noch ein bisschen üben. Allerdings, so bescheuert bin ich ja auch wieder nicht, ich sehe da jetzt ja sowieso nichts. Als ich wieder im Bett liege, höre ich ein bisschen Musik. Nur, um nicht anfangen zu weinen. Ich habe Hausarrest, mein Bruder mag mich anscheinend nicht und ich tanze und trainiere mit einem Jungen, von dem ich nicht weiß, ob ich ihn liebe … „Run boy run“, heißt das Lied, was ich gerade höre. Es hört sich gut an. Ich kann mir die Tränen aber nicht wirklich verkneifen. Irgendwann fließen sie dann doch. Ich schreibe Janick eine SMS: Hey du! Habe Langeweile, hoffe, ich störe nicht…? Erst, als ich sie abgeschickt habe, fällt mir auf, wie dumm und klammernd sie klingt. Ich stöhne, und packe das Handy weg. Dann muss ich wohl wieder eingeschlafen sein.

5.11.13 15:57

Letzte Einträge: Für meine (wenigen) fleißigen LeserInnen: "Es gibt immer einen Ausweg", FORTSETZUNG ANGEKOMMEN: Ich denk' an dich , Das lange Warten hat ein Ende: "Ich denk' an dich!", WICHTIG!!!, Sonne, Mond und Sterne, Sonne, Mond und Sterne

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