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drittes Kapitel

Pacour

Kurz darauf steige ich am Hafen aus. Von weitem sehe ich ein paar Jungs mit ihren Skatebords.
Ich laufe an ihnen vorbei, bis ich zu der Bank komme, an der wir eben noch gesessen haben. Ich
setzte mich wieder und beobachte die Jungs, die sich mit gelenken Bewegungen durch den
Großstadtdjungel bewegen. Sowas soll ich auch mal können? Naja, schön wär’s… ich suche nach
Janicks blauem Shirt, kann es aber nicht finden. Dafür aber eine Person, die meine Aufmerksamkeit
auf sich lenkt; ein schlanker Körper, dünne Arme und gelenkige Beine. Nichts Besonderes, eigentlich. Aber mir sind eher die langen, blonden Haare ins Auge gestochen. Bei jedem Sprung wehen sie der Person hinterher. Theresia. Ich presste die Lippen aufeinander. Seit wann macht die denn Pacour? Meine Abneigung gegen sie muss ich vielleicht mal erklären. Aber eigentlich gibt es da nichts zu erklären. Ich mag sie nicht, und sie mich auch nicht. Warum, weiß keiner von uns beiden. Sie ist mir einfach so unsympathisch… ich will gerade schon gehen, da sagt einer neben mir:
„Buh.“
Ich springe hoch und starre ihn an. Janick. War klar! Ich habe mich echt erschreckt!
„Was willst du hier?“, fragt er mich.
„Das gleiche könnte ich dich fragen.“, sage ich eingeschnappt.
„Und wo ist deine Schwester, oder Cousine oder so? Ihr seid doch verwandt.“
„Sie ist meine Großcousine. Und warum sollte sie hier sein?“
„Sonst gehst du doch nirgendswo alleine hin. Selbst zur Toilette geht ihr Mädchen immer zu zweit.“, grinst er.
„Ja, kann sein. Ich wollte dich, ehrlich gesagt …“, ichzögere.
„Ja?“ Erwartungsvoll sieht er mich an.
„Ich wollte dich nach deiner Nummer fragen.“ So, jetzt ist es raus. Ich merke, wie ich rot anlaufe.
„Okay…“, sagt er und kramt in seiner Tasche von der Jogginghose herum. Dann reicht er mir einen Mini-Kuli. „Pass auf.“
Ich nehme den Stift und kritzle mir seine Nummer auf den Arm.
„Danke.“, nuschle ich.
„Immer gerne! Aber schreib, wer du bist, in Ordnung?“
Ich nicke und wir verabschieden uns. Dieses Mal winke ich nicht.

In der S-Bahn hole ich mein Handy hervor und speichere seine Nummer ein. Dann schicke ich ihm gleich noch eine SMS, damit ich es nicht vergesse:

Hey! Hier ist Amberly. Ich freu mich auf morgen! BB

Dann stecke ich es wieder weg, und warte auf seine Nachricht.
Zuhause stelle ich meine Tasche in die Ecke und öffne meinen Kleiderschrank. Irgendwie ist es lächerlich, ich suche mir meine Sportsachen sehr gewählt aus. Ein weißes, etwas lockerer sitzendes Top und eine schwarze Dreiviertel-Leggings sollten reichen, denke ich und lege die Sachen auf meinen Schreibtischstuhl. Dann lege ich mich neben Campari aufs Bett und starre auf die Decke über mir. Ich fühle mein Handy in der Tasche meiner kurzen Hose. Und denke an Liv und Moritz und Janick. Was wird Moritz wohl sagen, wird er mit mir tanzen wollen? Schon am Abend bekomme ich eine Antwort:

Am, Janick will nicht mit mir tanzen . Tut mir leid, aber ich muss dann wohl doch mit Moritz tanzen. Du findest schon jemanden. xoxo, Liv

Hm. Ich kann ja mal … ach nein, denke ich, Janick zu fragen, wäre dumm, Liv gegenüber. Also lasse ich es und versteife mich auf die Tatsache, dass mein blaues Kleid doch wohl nur ein Konfi-Kleid bleiben muss. Denn ich kenne keinen anderen Jungen, der mit mir tanzen würde. Alle guten sind schon weg, im Sinne von: haben schon eine Partnerin. Und Janick zu fragen, wäre falsch, wie schon gesagt. Wieso eigentlich immer Janick? Ich verstehe mich selbst nicht mehr.
„Sag mal was, Campari.“, sage ich zu ihm.
„Miau.“, meint er.
„Ja, das ist gut.“ Ich muss lachen und nehme ihn auf den Arm.

Am nächsten Tag fahre ich nach der Schule so schnell wie es geht in Sportsachen zum Hafen, was den Nachteil hat, dass ich noch fast eine ganze Stunde warten muss bis zur vereinbarten Zeit. Also beschließe ich, mich schon einmal warm zu machen, und dehne mich. Ich habe keinen Schimmer, wie das eigentlich geht, aber so unsportlich bin ich auch wieder nicht. Ich versuche, über eine Bank zu springen, und falle fast hin. Zähneknirschend nehme ich nochmal Anlauf, versuche es dieses Mal bei einem ca. 50cm hohen Geländer. Okay, das war nicht schwer. Nochmal zurück zu der Bank. Wieder nehme ich Anlauf, als auf einmal Janick vor der Bank steht und ruft: „Halt, stopp!“
Ich bremse ab und lächle.
„Hi.“, sage ich.
„Hast du dich schon aufgewärmt und gedehnt?“, fragt er mich.
„Natürlich!“, behaupte ich stolz.
„Na das ist doch schon mal gut. Und was hast du gemacht zur Erwärmung?“
„Ähm, ich habe verschiedene Laufübungen gemacht und mich gedehnt…?“
„Reicht nicht aus. Komm mit, wir laufen ein bisschen.“
Ein „bisschen“ sind bei Janick mindestens 150 Meter. Wir laufen bis zur nächsten Station und wieder zurück. Sprich 300 Meter. Sprinten.
Keuchend komme ich wieder an der Bank an. Er runzelt die Stirn bei meinem Anblick.
„Und du hast versucht, über die Bank zu springen?“, spottet er.
„Zufällig, ja!“, hechle ich.
„Komm, wir gehen in einen Park. Da ist es besser mit dem Üben.“, sagt er. „Joggen?“
Ich verdrehe schmerzhaft die Augen. „Ungern.“
„Ach komm schon.“, sagt er und läuft schon wieder los. Ich schnappe noch einmal tief Luft und laufe ihm hinterher.

Im Park zeigt Janick mir zuallererst, was er kann. Ich bin wirklich beeindruckt.
Er nimmt Anlauf und springt an einen Ast und schwingt sich über die darunter stehende Bank drüber weg. Dann klettert er irgendwie, wie Spider-Man, auf ein Dixi-Häuschen und macht einen Salto von da oben runter. Mir stand zu diesem Zeitpunkt schon der Mund offen. Dann rennt er wieder zu der Bank unter dem Ast und macht einen Handstand auf der Rückenlehne, wobei er es schafft, nicht mit den Füßen an den Ast zu kommen. Er lässt sich fast runterfallen und macht zum Abstand noch einen Salto in der Luft.
„Ähm, Janick?“
„Ja?“, fragt er und fährt sich mit der Hand durch den Pony.
„Ich, …, ich bin nicht so sportlich, weißt du…“, meine ich.
„Ja, ich weiß. Ich auch nicht, wir fangen aber einfach an.“, beruhigt er mich.
„Ahh.“
Ich glaube, Janick und ich verstehen uns nicht so wirklich. Mit „einfach“ meint er, nicht etwa über eine Bank zu hopsen, sondern gleich einen Handstand auf ihr machen.
„Okay. Ich kann noch nicht mal einen richtigen Handstand auf dem Boden, aber egal, ja?“, warne ich ihn. Er nickt und sagt: „Dann probier ihn doch erstmal so auf dem Boden.“ Ich schlucke und versuche, nicht nachzudenken.
Und schon spüre ich unter meinen Händen das weiche Gras, und hebe meine Füße mit Schwung in die Luft. Und ich stehe. Und stehe. Und stehe. Ich kann tatsächlich einen Handstand!
„Ach.“, meint er, „Ich dachte, du könntest keinen.“
„Ich darf nicht nachdenken.“, sage ich mehr zu mir, als zu ihm. Er lacht. Dann geht er zu der Bank, stellt sich mit den Füßen auf die Sitzfläche und stützt seine Hände auf die Lehne.
„Und jetzt so.“, meint er. Dann holt er mit einem Bein Schwung und macht wieder seinen Handstand.
Ein paar Momente später befinden sich auch meine Hände auf der Lehne. Nicht nachgedacht. Ich hebe mein rechtes Bein und hole so Schwung. Janick steht auf der anderen Seite der Bank und soll mich festhalten. Macht er auch. Beim ersten Mal wäre ich fast auf ihn draufgeklappt, beim zweiten und dritten Mal sieht es schon besser aus, und beim vierten Handstand auf der Banklehne muss er mich schon gar nicht mehr festhalten. Nicht nachdenken was du machst, sage ich mir immer wieder. Und es klappt. Am Ende unserer Trainigsstunde kann ich das schon fast ohne Hilfe.
„Morgen wieder?“, fragt er mich.
„Ne, leider nicht. Ich hab 4 Blöcke, das wird zu spät dann.“, bedaure ich.
„Aber Donnerstag!“
Ich nicke und wir verabschieden uns. Am Abend liege ich schon im Bett, da bekomme ich eine SMS:

Freu mich auf Donnerstag :D

Ich gucke auf den Absender. Es ist der Chat mit Janick. Ich lächle glücklich und schreibe zurück:

Ich mich auch!

Ich drücke noch nicht auf „Senden“, sondern schreibe noch dazu:

Tanzt du?

Dann lege ich mein Handy weg und kuschle mit Campari.
„Was würdest du sagen, wenn ich in Janick verknallt wäre?“, frage ich ihn leise. Soll ja keiner weiter mitbekommen.
Seine Antwort ist ein leises „Miau.“


FORTSETZTUNG FOLGT!

4.11.13 17:02

Letzte Einträge: Für meine (wenigen) fleißigen LeserInnen: "Es gibt immer einen Ausweg", FORTSETZUNG ANGEKOMMEN: Ich denk' an dich , Das lange Warten hat ein Ende: "Ich denk' an dich!", WICHTIG!!!, Sonne, Mond und Sterne, Sonne, Mond und Sterne

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