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zweites kapitel

Janick

„Ich hasse Mathe, es ist einfach eklig!“, fluche ich.
„Ich mag Mathe.“, sagt Lenna grinsend.
„Schön für dich.“, knurre ich.
Dienstag, erster Block: Mathe. O, wie ich Dienstage hasse. Tami und Liv haben jetzt Chemie. Auch nicht unbedingt besser. Ich bin mit Bea, Lenna und Emma in einer Klasse. Und einem Haufen be-scheuerter Jungs. Ist schon klar, dass ich keinen von denen fragen würde, ob er mit mir tanzt. Viel-leicht Samael. Obwohl, der ist um mindestens 10 Zentimeter kleiner als ich, wie sieht denn das aus. Ich schaue hinüber zu Emma, aber die tuschelt mit Johanna und Frauke, typisch. Ein Blick zu Bea und ich sehe unser Mathe-Ass eifrig einige Aufgaben lösen. Manno, warum können die das alle?! Prozentrechnung braucht doch keiner, wozu gibt es denn Taschenrechner.
Nach der Stunde hakt sich Bea bei Lenna und mir unter.
„War doch ganz einfach.“, meint sie. Und zur Krönung: „Wie schnell die Zeit manchmal vergeht.“
„Sicher, dass wir im selben Mathe-Kurs sitzen?“, frage ich sie. Lenna lacht.
„Ja, na eigentlich schon.“, schmunzelt Bea.
Ich sehe, wie Emma, natürlich in der Mitte zwischen Johanna und Frauke, lachend in die Cafeteria geht. Wütend starre ich ihnen hinterher.
„Hey, was ist denn?“, fragt Bea besorgt.
„Och nichts…“, lüge ich und ziehe die beiden in Richtung Pausenhof. Dort treffen wir auf die anderen aus den Parallelklassen; Kalle, Vanny, Angy und Tamara. Sie stehen schon an unserer Bank und löffeln ihre Joghurts. Wir gesellen uns ihnen und fangen an zu plappern. Mit der Zeit wird unser Kreis, den wir am Anfang noch gebildet haben zu einer Murmel. Plötzlich werde ich von ihnen stürmisch umarmt.
Es sind Liv und Tami! Ich drücke die beiden gleichzeitig, was gar nicht so einfach ist, denn sie sind viel größer als ich.
„Boah, wir hatten eben Mathe…“, stöhne ich noch einmal.
„Wir Geschichte! Mit der Voigt. Und ich saß den ganzen Block am Fenster und die Sonne hat mir total auf den Arm geschienen. Und dann ging das doofe Rollo auch nicht runter!“, meckert Liv, „Mein Arm ist total warm geworden!“, lacht sie dann doch.
„Och du Arme.“, lachen wir und ziehen sie in den Schatten, denn in der Sonne ist es wirklich heiß geworden.
„Guck mal Liv, da ist er.“, meint Tami.
„Wer?“, frage ich uninformiert und folge ihren Blicken. Meiner landet genau auf dem stillen und schüchternen Jungen Klaus-Christian Schiller. „Klausi?!“
„Hm?“, macht Liv. Dann schüttelt sie ruckartig den Kopf. „Nee, sie meint Janick…“, seufzt sie wieder verträumt. Der besagte Held spielt mit seinen Kumpels und einer Alu-Kugel Fußball. Gerade ist ein Tor, sprich die Tür vom Jungenklo, gefallen, und die Fußballer jubeln. Ich wechsle mit Tami einen wissenden Blick und wir ziehen Liv unbarmherzig wieder in die Sonne.
„Nein!“, ruft sie und streckt die Arme in Richtung Schatten oder Jungs, so genau wissen wir das nicht, aus.
„Komm schon. Wir haben gleich Chemie, da sitzt du nur 5 Plätze von ihm entfernt!“, tröstet Tami sie.
„Okay…“, seufzt Liv.
„Mann, du bist aber schwer verliebt!“, meine ich.
„Nein, wie kommst du denn darauf?!“, fragt Tami, so ironisch sie kann.
„Och, nur ein paar kleine Andeutungen…“, sage ich abwinkend, „Nichts von großer Wichtigkeit.“
„Na dann, hab schon gedacht!“, lacht Tami.
„Ehm, Liv…?“, frage ich vorsichtig.
„Ja, …Amberly?“
„Wie ist das jetzt mit Tanzen?“
Doch bevor sie antworten kann, klingelt es zum nächsten Block und die Zeit reicht nur noch für eine kurze Umarmung.
„Wir schreiben heut Abend!“, ruft sie noch. Ich nickte.
„Amberly!“, tönt Lenna da. Wie immer hakt sie sich bei mir ein und wir gehen gemeinsam zum nächsten Raum.
„Wo haben wir?“, fragt sie.
„Keine Ahnung. Frag Tine, die hat das Klassenbuch, da steht das drin.“
„Stimmt ja … Tine!“
„Ja?!“, ruft sie.
„Wo haben wir?!“
„Keine Ahnung.“
Auch gut.

Nach dem dritten Block können wir endlich nach Hause gehen. Ich lasse mich in der S-Bahn auf einen Platz fallen, und stöpsle meine Kopfhörer an mein Handy an. Kurz darauf erklingt dröhnende Musik in meinen Ohren. Ich lehne mich weit in den Sitz und schließe die Augen. Aber nur kurz, denn schon bald zieht mir jemand den Stöpsel aus den Ohren.
„Hey…!“, empöre ich mich. Und gucke in das grinsende Gesicht von Janick. Ich schlucke meine überraschende Miene runter und lächle.
„Hey.“, sagt er, „Was hörst du?“
„Hmm. Musik.“, sage ich ironisch.
„Hahaha.“, lacht er trocken.
„Ist a auch egal.“ Ich beschließe die Chance zu nutzen und frage: „Wieso willst du eigentlich nicht mit Liv tanzen?“
Er räuspert sich. „Das … das hat seine Gründe.“
„Schieß los. Ich hab noch 6 Stationen Zeit.“, fordere ich ihn auf.
„Na und… das ist persönlich.“
„Ich bin ein Sturkopf!“, warne ich ihn, „Ich krieg das schon raus!“
„Ich auch, kleine Amberly.“
Ich schnappe beleidigt nach Luft. Klein?! Von wegen! Da hat er meinen wunden Punkt getroffen, muss ich zugeben. Um ihm zu demonstrieren, dass ich gerade das nicht bin, stehe ich auf und stelle mich auf die Zehenspitzen. Ziemlich gewagt, in einer fahrenden S-Bahn. Prompt stolpere ich und liege am Boden. Zum Glück sind keine Leute weiter im Waggon. Janick kugelt sich vor Lachen.
„Jetzt bist du noch kleiner!“, prustet er.
„Pff. Ich, ehm, … Muss jetzt raus. Tschüss!“ Ich höre noch sein „Tschau“, als die Türen sich schließen. Ich drehe mich von der noch stehenden S-Bahn weg und marschiere nach Hause.
Vor unserem Block angekommen, muss ich feststellen, dass ich meinen Schlüssel vergessen habe. Ich stöhne auf und klingle. Zum Glück hockt Will zurzeit mehr zu Hause rum, als dass er in der Uni ist. Er macht mir auf. Ich quäle mich die Treppenstufen hoch und bewundere immer wieder unser altmodisch-verziertes Treppenhaus. Oben angekommen, steht Will in der Tür.
„Wie lange brauchst du denn eigentlich immer? Eine oder zwei Ewigkeiten?“, fragt er, und ich gebe schnippisch: „Drei!“ zurück.
„Weißt du, wann Mama und Papa von ihrem Urlaub wiederkommen?“, frage ich beim Essen.
„In 5 Tagen. Das solltest du aushalten, sie sind immerhin schon zwei Tage weg.“, sagt er besserwisserisch.
Mama und Papa sind in Indien. Diesen Urlaub hat Papa Mama zum 40. Geburtstag geschenkt. Eine Indienreise für zwei Personen, 7 Tage lang. Mama hat vor Rührung geweint. Mir passt dass, dann haben wir sturmfreie Bude. Will ist zwar mit seinen 20 Jahren schon ziemlich aufpasserisch geworden und will Freddy und mich immer kontrollieren. Aber ich lasse mir von keinem sagen, wie lange ich brauche, um die doofe Treppe hochzukommen! Freddy versteht mich wenigstens noch. Apropos: Wo steckt die eigentlich?
„Welcher Wochentag ist heute?“, frage ich meinen Bruder.
„Du stellst ja Fragen. Heute ist Montag.“, stöhnt er.
„Ich bin nicht diejenige, die gefragt hat, wie lange ich brauche, um die Treppe hochzukommen!“, beschwere ich mich.
„Schon gut, schon gut.“
Montag. Das heißt, dass Freddy heute 4 Blöcke hat und erst um vier nach Hause kommt. Na wundervoll. So lange kann ich nicht mit Will in einem Haus sein. Nach dem Essen verabschiede ich mich.
„Hey!“, ruft er mir noch hinterher. Ich drehe mich stöhnend um. Ich will raus! „Was denn?!“
„Da ist ein Packet angekommen.“
Ich schlucke und gucke das Packet an, das da neben der Anrichte steht. Ein großer roter Schriftzug ist draufgedruckt. Mein Kleid. Mein blaues, neues Kleid. Ich soll es zu meiner Konfirmation anziehen. Und auch zum Tanzen. Was Moritz dazu sagen würde? Ich finde es wunderschön, das Kleid.
„Danke. Ich nehms mit in mein Zimmer.“, sage ich und schleppe es zum besagten Ort. Ich stelle es neben mein Bett ab, schnappe meine Tasche und verschwinde mit einem „Bis halb sieben!“ aus der Wohnung. Dann schlendre ich planlos die Straßen entlang. Vielleicht haben Liv und Tami Zeit? Ich wähle Tamis Nummer.
„Hey Am!“
„Hey Tami. Hast du Zeit?“, frage ich.
„Ähm, sorry, ist ganz schlecht. Muss zum Zahnarzt.“, stöhnt sie. Nach einem Small Talk verabschiede ich mich. Nächste Nummer.
„Hallo, hier ist die Mailbox von Liv! Bitte einmal nach dem Piepton aufs Band quatschen!“, tönt Livs fröhliche Stimme. Ich verzichte. Als nächstes Emma.
„Hey ho!“, meldet sie sich. Wenigstens etwas.
„Hey du! Hast du heute Zeit?“, frage ich wieder.
„Na klar! Was solls denn sein? Kino, Café oder Hafen und den Pacourern zugucken?“
„Hafen.“, sage ich. Dort sind immer die Traceure. Keine Angst, das sind einfach nur Teens in unserem Alter. Der Pacour ist ein Sport. Da geht es darum, so schnell, lustig und sportlich von A nach B zu kommen. Am Hafen lang, oder durch die Innenstadt. An Mauern hochspringen, in Parks über Bänke und Zäune springen, sowas eben. Man muss schon ganz schön fit sein, um das zu können. Ich gucke lieber zu, mit einem Eis in der Hand. Heute ist es wieder schön warm, also machen Emma und ich einen Zwischenstopp in einer Eisdiele und nehmen jeder eine volle Waffel mit. Ich habe Raffaelo, Erdbeer und Cookies. Hmmmm, denke ich, während wir schleckend zum Hafen schlendern. Dann lassen wir uns auf eine der Bänke fallen.
„Erzähl mal.“, verlangt Emma.
„Was denn?“
„Was ist mit dir los? Du bist so schweigsam. Normalerweise kommst du gar nicht mehr raus aus dem Erzählen. Von den Lehrern, Campari und was weiß ich nicht noch alles.“
Ich seufze. Sie hat Recht.
„Ich weiß auch nicht.“
„Dann fang an, was zu erzählen!“, schimpft sie mit mir.
„ähm, …, also. Ich war letztens mit Lenna und Bea shoppen. Da hab ich total das coole Kleid gesehen, und wollte es mir kaufen. Aber es gab es nicht mehr in meiner Größe! Also hab ichs mir übers Internet bestellt. Ist heute angekommen.“
„Cool! Beschreib mal!“
„Also, es ist blau und …“ Ich halte inne und starre über ihre rechte Schulter. Wenn mich nicht alles täuscht ist das da, mit dem blauen T-Shirt … Janick?! Seit wann macht der denn Pacour?!
„Ist was?“, fragt Emma stirnrunzelnd und dreht sich um. Sie erkennt ihn nicht. Sie schüttelt den Kopf.
„Wer ist denn da?“, fragt sie nochmal.
„Ähm … da ist … Janick!“ Überrascht sehe ich zu, wie er in unsere Richtung kommt. Ganz unauffällig schwingt er sich über ein Geländer, springt über einen Pfeiler und über unsere Nachbarbank. grin-send kommt er zu uns.
„Ach wie klein die Welt nur ist.“, meint er. „Hey.“
„Hey!“, grüße ich zurück. „Verfolgst du mich?“, frage ich mit einem Augenzwinkern.
„Kann sein…!“, meint er, und zwinkert übertrieben. Emma schaut staunend von mir zu ihm, und zurück. Dann schaut sie mich mit einem Hab-ich-was-verpasst-Blick an. Ich lächle nur zurück und wende mich wieder Janick zu.
„Seit wann machst du Pacour?“
„Och, noch nicht lange. Zwei Wochen?“, überlegt er.
„Wow – du bist gut!“, bewundere ich hin.
„Ist a auch einfach. Soll ich dir auch was beibringen?“, fragt er. Ich bin nur noch überraschter.
„Gerne! Wann hast du Zeit?“
„Ich geh dann mal…“, meint Emma, und stupst mich an.
„Nein, warte! Ich komme.“ Ich stehe auf und gucke Janick an. „Also, wann und wo?“
„Wie wär’s; morgen, hier am Hafen, so um drei?“, schlägt er vor. Ich lächle.
„Okay, super! Bis morgen!“ Dann laufe ich Emma hinterher. Als ich sie noch nicht ganz eingeholt habe, drehe ich mich um, und winke ihm. Er hält die Hand hoch, cool, wie Jungs eben sind. Ich lache in mich hinein. Janick ist cool.
„Was sollte das?!“, stellt Emma mich zur Rede.
„Was denn?“, frage ich unschuldig.
„Das mit Janick! Wusste gar nicht, dass du verliebt bist!“
„Bin ich auch nicht!“, verteidige ich mich, „Ist doch nichts dabei, einmal mit jemandem Pacour zu üben. Bist du eifersüchtig?“
„Vergiss es.“, murrt Emma. Ich lache sie an.
„Nicht schlimm, ich könnte damit leben!“
„Ich hab Jo.“, sagt sie leise, in de r Hoffnung, ich hätte sie nicht gehört. Zu spät.
„Jo?! Den Jo?! Hab ich was verpasst?“, frage ich. Jo ist einer der beliebtesten Jungen unserer Klassenstufe.
„Nö, aber ich. Du hast voll mit Janick geflirtet!“, weicht sie aus.
„Hahaha.“, lache ich trocken. Mittlerweile sind wir an einer S-Bahn Station angekommen.
„Ich werde dann mal…“, sage ich und umarme Emma.
„Tschüssi!“, ruft sie, aber da schließen sich schon die Türen. Und sie hat gar nicht gemerkt, dass ich in einer falschen Bahn sitze.

3.11.13 18:56

Letzte Einträge: Für meine (wenigen) fleißigen LeserInnen: "Es gibt immer einen Ausweg", FORTSETZUNG ANGEKOMMEN: Ich denk' an dich , Das lange Warten hat ein Ende: "Ich denk' an dich!", WICHTIG!!!, Sonne, Mond und Sterne, Sonne, Mond und Sterne

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